Liebe Patienten und Patientinnen,

mit dem GKV-Spargesetz, das am 10. Juli 2026 beschlossen und bis zum 15.10.2026 nachverhandelt wurde, hat die aktuelle Regierung in der psychotherapeutischen Versorgung – und leider auch in vielen anderen Bereichen der medizinischen Versorgung für gesetzlich versicherte Patienten – ein Sorgenpaket auf den Weg gebracht. Das GKV-Spargesetz kommt dem Willen der Krankenkassen nach, Geld einzusparen, und kürzt an vielen Stellen die finanziellen Mittel, die Praxen bräuchten, um eine ausreichende Versorgung gewährleisten zu können. 2027 wird sich die psychotherapeutische Versorgung aufgrund dieses politischen Willens leider deutlich verschlechtern. Praxen dürfen deutschlandweit im Schnitt 20 Prozent weniger gesetzlich versicherte Patienten behandeln, viele Patienten bekommen nur noch eine 12-Stunden-Akuttherapie und teilweise wird die Wahl, zu welchem Psychotherapeuten man gehen darf, eingeschränkt.

Wir Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten verstehen alle Patienten, die auf Wartelisten stehen, die sich nicht gesehen und gehört fühlen, die verzweifelt, verängstigt oder verärgert sind, keinen Platz zu finden. Ich möchte allen, die diese Seite finden, versichern, dass auch wir die aktuellen Veränderungen der Versorgung traurig, grausam und unsozial finden. Der gesamte Berufsstand hat von März 2026 bis Oktober 2026 alles versucht, um diese Entwicklung zu verhindern. Protestaktionen, hunderte Gespräche mit Bundestagsabgeordneten, Zehntausende Briefe an den Bundestag, mediale Aufmerksamkeit, Demonstrationen. Wir konnten das Meiste nicht verhindern. Wenigstens hat die Protestbewegung erreicht, dass an Therapieplätzen für Kinder und Jugendliche auch ab 2027 nicht gespart wird.

Leider sind wir als Selbstständige mit hohen Praxisausgaben gezwungen, auch Einnahmen zu generieren, sodass wir stets die betriebswirtschaftliche Führung unserer Selbstständigkeit im Auge behalten müssen. Viele Patienten stellen sich Ärzte und Psychotherapeuten in Praxen eher als Angestellte mit Gehalt vor und fragen sich dann, ob Praxisinhaber nicht einfach ein bisschen schlechter verdienen könnten. Wir führen aber Kleinunternehmen und müssen die wirtschaftliche Situation im Blick behalten, auch wenn wir gerne weniger aufs Geld achten würden. Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten verbringen im Schnitt zwischen 10 und 12 Jahren zunächst im Studium und dann in einer langen psychotherapeutischen Ausbildung, die wir gerne auf uns nehmen, um Menschen helfen zu können. Gerne würden wir alle behandeln – unabhängig von finanziellen Gesichtspunkten – und können es nicht. Die psychotherapeutische Landschaft wird sich vermutlich ab 2027 deutlich ändern. Manche Kollegen werden sich ein zweites Standbein in anderen Kontexten aufbauen, mehr Privatpatienten oder Selbstzahler behandeln oder ihre Praxen schlicht schließen aufgrund der schlechten Vergütung.

Ich bitte Sie daher, Ihre nachvollziehbare Verärgerung, Enttäuschung und Verunsicherung an die CDU- und SPD-Abgeordneten der aktuellen Bundesregierung zu richten, die nahezu ausnahmslos für dieses Gesetz gestimmt haben, sowie an Ihre Krankenkasse. Sie finden die Kontaktdaten eines jeden Bundestagsabgeordneten unter bundestag.de und die Information, welche Politikerinnen und Politiker für dieses Gesetz gestimmt haben, unter abgeordnetenwatch.de.

Bundesweit bedauern Psychotherapeutinnen und ich zutiefst, dass sich die Versorgung von Psychotherapiepatientinnen und -patienten so drastisch verschlechtern wird. Ich habe Ihnen hier Kollegen mit eigenen Social-Media-Kanälen zusammengestellt, die den Abschluss der Gesetzgebung im Oktober verarbeiten:

Dr. Rammiya Gottschalk, Verhaltenstherapeutin aus Dorsten, 15.10.2026:

Beatrice Herzog-Schilling, Verhaltenstherapeutin aus Bodenheim, 15.10.2026:

Andy Shrifatpour, Tiefenpsychologischer Psychotherapeut aus Hamburg, 15.10.2026:

Meine stetig aktualisierten Behandlungskapazitäten finden Sie unter „Über mich“.

Mit freundlichen Grüßen,
Elfrun Faude

GKV-Spargesetz

Präsident der Bundesärztekammer Klaus Reinhardt:

Quelle: Instagram

Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung Dr. Andreas Gassen:

Quelle: Instagram

Wie wirkt sich das Spargesetz auf die Psychotherapie aus?

Schleswig-Holstein Magazin, 21.06.2026:

Quelle: ARD Mediathek

SWR Beitrag, 11.07.2026:

Quelle: SWR

SWR Beitrag, 08.09.2026:

Quelle: Instagram

Visite, 22.09.2026:

Quelle: NDR Visite

Politische Gegenwehr vor und nach dem Gesetz

MdB Ricarda Lang von den Grünen, 16.07.2026:

Quelle: Maybrit Illner – YouTube

MdB Kirsten Kappert-Gonther von den Grünen, 23.09.2026:

Quelle: Instagram

Widerstand aus der Psychotherapeutschaft, Psychotherapeutischen Verbänden, Landeskammern und Aktionsbündnis Psychotherapie

Protestaktion 1
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Dr. Enno Maaß, Psychotherapeut, Bundesvorsitzender der Deutschen Psychotherapeutenvereinigung, 07.10.2026, eine Woche vor der finalen Gesetzgebung: